Revitalisierung Kohlenhof

Seit der Einweihung am 18.09.2005 ist wieder Leben im „Kohlenhof“ des ehemaligen Bahnbetriebswerkes (Bw) Neuenmarkt des Deutschen Dampflokomotiv Museums.

Dampf-Festival 2010

Ein wesentlicher Faktor zur Sicherstellung des pünktlichen Fahrbetriebes der Züge auf der Steilrampe Schiefe Ebene über mehr als 110 Jahre war der Einsatz von Schubdampflokomotiven, die talwärts in Neuenmarkt stationiert waren.


Diese Maschinen, im Bedarfsfall aber auch durchfahrende Züge, wurden in dem gut sechshundert Meter nordwestlich des Ringlokschuppens gelegenen „Kohlenhof“ des Bahnbetriebswerkes versorgt und unterhalten.
 
Der zunehmende Einsatz von Diesellokomotiven in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts machte die Versorgungseinrichtungen der Dampflokomotiven weitgehend entbehrlich. Letztendlich wurden die technischen Anlagen schon lange vor dem „Dampf aus“ 1976 von der DB demontiert und verschrottet.

Die ehemalige Bahnbetriebsfläche wurde über Jahrzehnte zur Bauschuttdeponie degradiert und schließlich der Natur überlassen.

Nach jahrelangem Vegetationswildwuchs auf diesem Gelände erfolgten ab 2000 im Rahmen der Erweiterung des Deutschen Dampflokomotiv Museums Untersuchungen und Probefreilegungen des ehemaligen Bw-Geländes, um nach Überresten der technischen Betriebseinrichtungen zu suchen.

Dabei konnten die drei Wasserkranfundamente der demontierten Wasserkräne mit noch vorhandenem Schachtinnenleben sowie der Betonsockel am Standort eines der beiden ehemaligen Bekohlungskräne ausfindig gemacht werden. Die Schlackengrube war trotz des erfolgten Gleisrückbaus weiterhin nutzbar.

Zur nun geplanten Rekonstruktion des ehemaligen Bahnbetriebswerkes gelang es nach mühevollen Recherchen, einen der letzten in Deutschland vorhandenen Ruge-Einheitsbekohlungskräne mit Schutzhaus aus den dreißiger Jahren zu bergen. Die fehlenden Wasserkräne, eine Gleisfeldhochmastuhr und auch die historischen Holzmastbeleuchtungseinrichtungen wurden in den folgenden Jahren Schritt für Schritt erworben.

Die Voraussetzungen zur Rekonstruktion des ehemaligen Bw Neuenmarkt waren damit erfüllt.

Die Baumaßnahme wurde 2005 durchgeführt. Die drei Wasserkräne wurden nach technischer Restauration an historischem Standort wieder aufgestellt und an das Wasserversorgungsnetz angebunden. Der Bekohlungskran konnte, unter musealen Gesichtspunkten restauriert, im Zustand der Auslieferung vor gut 70 Jahren betriebsfähig auf den bautechnisch stabilisierten Betonsockel montiert werden. Das durch Betonierung gefestigte Kohlenlager im Ausladungsbereich des Bekohlungskranes fasst einige hundert Tonnen Steinkohle. Fünf historische Holzmastleuchten erhellen das Betriebsgelände entsprechend dem Vorbild von vor mehr als sechzig Jahren. Die aufgearbeitete Gleisfeldhochmastuhr, wie diese in fast jedem Bw vorhanden war, zeigt dem Personal und dem Fahrgast die Zeit.

Das rekonstruierte Bw ermöglicht nun als neue, technisch-historische Einrichtung den Museumsbesuchern, lebendig an der Betriebsunterhaltung der „Museums-89iger“ teilzunehmen, sowie die Wartung und Versorgung der historischen Dampfzüge, die das Deutsche Dampflokomotiv Museum Neuenmarkt anfahren, zu verfolgen. So kann die Ergänzung der Betriebsvorräte der Lokomotiven an Kohlen, Wasser, Sand und Schmierstoffen, die Entfernung der Verbrennungsrückstände an Schlacke, Asche und Lösche sowie die Überprüfung der Betriebssicherheit der Maschinen unmittelbar erlebt werden.

(Dr. R. Riedel)

 

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