Lagerschaden

Das Highlight der jährlich stattfindenden Pfingstdampftage des Deutschen Dampflokomotiv Museums Neuenmarkt, 2007 unter dem Motto: „30 Jahre Deutsches Dampflokomotiv Museum“, sind zweifelsohne die Fahrten über die Schiefe Ebene. Die Zugleistung sollte diesmal von 52-8075-5 der IGE Werrabahn Eisenach mit der Wagengarnitur des sächsischen Eisenbahnmuseums Schwarzenberg erbringen, da die Schwarzenberger 50 3616-5 wegen der anstehenden HU nicht verfügbar war.

Dampf-Festival 2010
Lagerschaden

Bereits während der Anfahrt bemerkte das Lokpersonal ein Lagergeräusch rechts, das sich kurz vor Erreichen des Zieles trotz entsprechend eingeleiteter Maßnahmen verstärkte. Die abgebaute Treibstange mit dem zerlegten Lager zeigte dann die Ursache des Lagergeräusches; es war ausgeschlagen. Durch einfaches Nacharbeiten vor Ort war der Schaden nicht zu beheben. Die Pfingstdampffahrten über die Schiefe Ebene waren somit gefährdet, die Enttäuschung der über 1.000 erwarteten Fahrgäste wäre groß.

Die Kernfrage lautete: Wer ist in der Lage, am Pfingstsamstag ad hoc ein Treibstangenlager zu fertigen? Die vielen Hilfsangebote von Mitarbeitern und Besuchern mussten wegen der erforderlichen Präzisionsarbeit und der nicht verfügbaren Fertigungstechnik verworfen werden. In Frage kam folglich nur das Dampflokwerk Meiningen. Nach mehreren Telefonaten gelang die Kontaktaufnahme mit dem Leiter des Werkes, Herrn Eichhorn und dessen Vertreter, Herrn Leifheit sowie Herrn Schmidt, dem Leiter der Fertigung. Diese zeigten Verständnis für die prekäre Situation. Allerdings waren die beiden Notmannschaften des Werkes bereits bei der Herzquerbahn und der Wutachtalbahn im Einsatz.

Weitere Arbeitskräfte waren durch Terminarbeiten an der NWE 11 der HSB sowie einer 99er der Molli im Werk gebunden. Entsprechend der Devise „Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger“, signalisierte die Werksleitung trotzdem Hilfe. So konnte die Mannschaft des Deutschen Dampflokomotiv Museums nach einer Nachtfahrt das Lager mit der Treibstange am Pfingstsamstag früh in Meiningen anliefern. Der technische Leiter, Herr Aschenbach, hatte bereits die Spezialisten, den Gießer Herrn U. Bönisch und den Präzisionsfräser, Herrn J. Irmer aus dem „Pfingstfrei“ geholt. Der Schmelzofen war schon angeheizt. Im Weiteren erfolgten nun in bekannter Meininger Professionalität das Ausschmelzen des Weißmetalls aus den Lagerschalen, der Aufbau der Lagerschalen mit dem Kern sowie der Guss.

Die anschließende Präzisionsfräsung wurde nach Messblattvorgabe durchgeführt, so dass die Treibstange mit montiertem Lager am späten Nachmittag ins Deutsche Dampflokomotiv Museum zurücktransportiert werden konnte. Hier erfolgte noch am Abend die Montage und Anpassung an die Lok, sodass diese nach Wasserfassen und Bekohlung die erste Fahrt über die Schiefe Ebene am Pfingstsonntag durchführen konnte.

(Text und Bilder: Dr. Rainer Riedel)

Zur Fotostrecke zu den vorgenommenen Arbeiten »

« Zurück zur Übersicht